Evelyn Hofer
Encounters with the Camera

Evelyn Hofer, Springtime, Washington, 1965 © Evelyn Hofer / Galerie m, Bochum

8. Oktober 2021 bis 21. Januar 2022
Deutsche Börse AG, The Cube, Eschborn

Die Ausstellung „Evelyn Hofer. Encounters with the Camera” zeigt 67 Werke der 1922 in Marburg geborenen Fotografin aus den 1960er und 1970er Jahren. Hofer, die 1933 mit ihrer Familie zunächst nach Spanien emigrierte, erhielt ihre fotografische Ausbildung in der Schweiz. Ab Mitte der 1940er Jahre lebte sie überwiegend in New York, wo sie begann, für zahlreiche große Magazine wie Vogue und Harper’s Bazaar zu arbeiten. 

In den folgenden Jahrzehnten erschuf Hofer neben diesen Aufträgen zahlreiche fotografische Essays und im Rahmen von Buchprojekten umfangreiche Stadtporträts, so von Washington, New York, London oder Dublin. Für diese holte sie Frauen, Männer und Kinder unterschiedlicher sozialer Milieus und Berufsgruppen vor die Kamera. Ihre Aufmerksamkeit galt dabei dem Alltäglichen und Unspektakulären, dem sie mit ungeschöntem Blick begegnete und gleichzeitig einen fesselnden Zauber entlockte. Die scheinbare Beiläufigkeit und Flüchtigkeit ihrer Aufnahmen sind ein Trugschluss. Als Perfektionistin hat sie nahezu jede Aufnahme im Vorfeld vorbereitet und durchdacht. Das Arbeiten mit der Mittelformatkamera, die nur mit Stativ zum Einsatz kommen konnte, erlaubte keine „Schnappschüsse“. Dennoch gelang Hofer die gekonnte Verbindung von fotografischer Inszenierung und dem zwanglosen Innehalten der Porträtierten, die sie bei ihren alltäglichen Gepflogenheiten fotografierte: den rußverschmierten Minenarbeiter in Wales, das Fahrrad fahrende Mädchen in Dublin, die Kellnerin in London oder den Motorrad-Polizisten in Washington. Der Aufnahme gewahr und scheinbar in sich ruhend blicken fast alle von ihnen selbstbewusst in die Kamera. Hofers Porträts zollen ihnen Respekt und lassen sie in ihren individuellen Gesten und Eigenschaften authentisch erscheinen.

Dass sie bereits ab den frühen 1960er Jahren auch mit Farbfilm fotografierte, war nicht nur ungewöhnlich, sondern auch mutig. Nur wenige Fotograf*innen arbeiteten zu dieser Zeit in Farbe, obwohl dies technisch durchaus möglich war. Der Einsatz von farbigem Filmmaterial und insbesondere das von Hofer verwendete Dye-Transfer Verfahren verlangten nicht nur eine andere Form der Bildkomposition als die Arbeit mit Schwarz-Weiß-Film, sondern auch den Umgang mit einem begrenzten Farbspektrum. Mit ihrem ausgeprägten Gespür für Farbe, Form und Raum hat Evelyn Hofer fotografische „Begegnungen“ geschaffen, die uns bis heute in ihrer Intensität berühren. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Mexiko, wo sie 2009 verstarb.

 

Installationsansichten "Evelyn Hofer. Encounters with the Camera"

The Cube Eschborn, 2021 © Robert Schittko

 

Sie können die Ausstellung nach Voranmeldung im Rahmen von Führungen besichtigen.

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