Ideologien. "Us and Them"
RAY 2021

Eddo Hartmann, Trolley Bus, Somun Street, Pyongyang, 2015 Aus der Serie "Setting the Stage", Pyongyang, North Korea, 2014-2017 © Eddo Hartmann

5. Juni bis 19. September 2021
Deutsche Börse AG, The Cube, Eschborn

Die Ausstellung „Us and Them" ist Teil der Fotografietriennale RAY 2021 in Frankfurt und dem Rhein Main Gebiet.

Sie widmet sich verschiedenen Gemeinschaften, deren Identitätsbildung dem Prinzip der Abgrenzung und somit auch dem der Ausgrenzung folgt. Die eingesetzten Mechanismen, die das Gefühl der Zugehörigkeit, Stärke und Kontrolle erzeugen sollen, reichen von der Etablierung umfassender Sicherheitssysteme über die Schaffung von Mythen bis hin zur Erzeugung von Feindbildern, die es zu bekämpfen gilt.

In seiner Serie „Kontakt“ beschäftigt sich Máté Bartha (*1987, Ungarn) mit militärischen Sommercamps in Ungarn für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. Dort zelten sie unter freiem Himmel, wandern, singen gemeinsam und werden mit Waffen-Nachbildungen militärisch trainiert. Bei dem mit strenger Disziplin durchgeführten Programm gibt es auch mal blaue Flecken oder Liegestütze als Strafe. Ziel der Camps ist es, den Mädchen und Jungen Kameradschaft und Patriotismus zu vermitteln sowie das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer starken Gemeinschaft.

In Nordkorea als Fotograf zu arbeiten, ist nahezu unmöglich. Das von einem aggressiv auftretenden Führer regierte Land kontrolliert und zensiert nicht nur alle Informationen, die ins Land kommen, sondern auch die, die hinausgehen. Dennoch hat Eddo Hartmann (*1973, Niederlande) Nordkorea zwischen 2014 und 2017 viermal offiziell bereist und in der Hauptstadt Pjöngjang fotografiert. Die Aufnahmen seines Projektes „Setting the Stage“ zeigen eine mit imposanter Symbolik aufgeladene und nach sozialistischem Vorbild errichtete Millionenstadt, die nicht nur kalt und menschenleer erscheint, sondern v. a. als kurioses Bühnenbild für den selbsterschaffenen Mythos des autoritären Regimes dient.

Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) hat zwischen 2000 und 2007 in Deutschland neun Personen aus rassistischen Motiven getötet und zahlreiche weitere Straftaten begangen. Erst im Jahr 2013 begann der Prozess gegen die lange unentdeckt gebliebene rechtsextremistische Terrorgruppe. Zu diesem Zeitpunkt startete die Hamburger Fotografin Paula Markert (*1982, Deutschland) ihr Projekt „Eine Reise durch Deutschland. Die Mordserie der NSU“. In Ihrer Arbeit dokumentiert sie Menschen und Orte, die mit der Gruppe in Verbindung stehen, und erzeugt damit ein vielschichtiges Bild der unfassbaren Vorgänge und ihrer bis heute fragwürdigen Aufarbeitung durch die staatlichen Institutionen.

Wer an die Schweiz denkt, hat meist das Bild eines friedlichen alpinen Idylls im Herzen Europas im Kopf. In der Publikation „How to Secure a Country“ von Salvatore Vitale (*1986, Italien) offenbart sich das Land jedoch auch als hochmilitarisierter Staat, der von einem weitgreifenden Sicherheitssystem und -denken durchdrungen ist. In seiner langjährigen visuellen Recherche befasst Vitale sich damit, wie dies im Umgang mit militärischer Grenzsicherung, IT-Infrastruktur, Cyber-Kriminalität und Terrorismus in seiner Wahlheimat zutage tritt.

Mehr zur Fotografietriennale RAY 2021, dem Ausstellungs- und Begleitprogramm hier.