Deutsche Börse Photography Prize 2007

Die Finalisten des Deutsche Börse Photography Prize 2007 waren Philippe Chancel, Anders Petersen, Walid Raad und Fiona Tan. Am 21. März 2007 zeichnete die Jury in der Photographers’ Gallery in London Walid Raad für sein Projekt „The Atlas Group 1989-2004“ mit dem 30.000 £ dotierten Deutsche Börse Photography Prize 2007 aus.

Die Werke der Finalisten wurden vom 3. September bis 19. Oktober 2007 in der Neuen Börse in Frankfurt gezeigt. Anfang des Jahres war die Ausstellung „Deutsche Börse Photography Prize 2007“ bereits in der Photographers' Gallery London und anschließend im C/O Berlin zu sehen.

Die Jury

Die Mitglieder der diesjährigen Jury waren Krysztof Candrowicz (Direktor, Lodz Art Center, Polen), Shirana Shahbazi (Künstlerin und Gewinnerin des Photography Prize 2002, Iran), Urs Stahel (Direktor, Fotomuseum Winterthur, Schweiz) sowie die Kuratorin der Art Collection Deutsche Börse, Anne-Marie Beckmann. Den Vorsitz führte Brett Rogers, Direktorin der Photographers’ Gallery in London.

Die Finalisten wurden für folgende Projekte nominiert:

Kim Ill-sung S, before the celebrations begin

Philippe Chancel

(1959 in Frankreich geboren) wurde für seine Ausstellung „DPRK“ auf dem Festival Photo d’Arles (4. Juli bis 17. September 2006) in die Shortlist aufgenommen. Chancel arbeitet seit 20 Jahren als Fotojournalist. In seinen Arbeiten erkundet er die Grenzen zwischen Kunst, Dokumentation und Journalismus. Die Serie, für die er nominiert wurde, entstand 2005 in Nordkorea: In üppigen Farbfotografien kommentiert er auf abschreckende, entrückte Weise den monumentalen politischen Narzismus, unter dem der Staat agiert. Mit DPRK gelingt es Chancel, die allumfassende Ästhetik kommunistischer Ideologie zu erfassen und die präzise aufeinander abgestimmten Details ihrer alltäglichen Propaganda abzubilden – und so einen seltenen Blick in einen totalitären Staat zu erhaschen, der westlichen Augen meist verborgen bleibt.

Untitled from the series Gap, 2005

Anders Petersen

(1944 in Schweden geboren) wurde für seine Ausstellung „About Gap and St Etienne“ auf dem Festival Photo d’Arles (4. Juli bis 17. September 2006) in die Shortlist aufgenommen. Petersen erlangte durch seine bahnbrechende Serie „Café Lehmitz“ (1978 veröffentlicht) Bekanntheit, einer Dokumentation über das Tagesgeschäft in dem von Transvestiten und Prostituierten frequentierten Lokal. Seitdem hat Petersen mit seinen Beobachtungen von Menschen am Rand der Gesellschaft seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt: ungeschminkte Gesellschaftsfotografie, die verborgene Aspekte des Menschlichen abbildet. Die Serie „About Gap and St Etienne“, die 2005 bei einem zweiwöchigen Aufenthalt in den beiden südfranzösischen Städten entstanden, sind von poetischer Melancholie, strahlen aber auch Ruhelosigkeit und ein Gefühl von Dringlichkeit aus.

Aus der Installation 'Mirror Make'

Fiona Tan

(1966 in Indonesien geboren), wurde für ihre Ausstellung „Mirror Maker“ in der Landesgalerie Linz, Österreich, (1. Juni bis 20. August 2006) in die Shortlist aufgenommen. Menschliche Themen bilden den Mittelpunkt ihrer Arbeiten, mittels derer die Komplexität von Kultur und Umgebung untersucht und der Einfluss dieser Aspekte auf die individuelle Identität in Frage gestellt werden. Die Künstlerin kombiniert in ihrem Werk die Genres Fotografie und Film. Ihre Ausstellung umfasst ältere Arbeiten und Projekte der jüngeren Vergangenheit, in denen die Portraitfotografie und das Wesen der Fotografie an sich erforscht werden. Dazu gehören „Vox Populi“ (2004), eine fotografische Installation, die entscheidende Momente im Leben von über 100 norwegischen Familien über mehrere Generationen hinweg festhält, und „Countenance“, eine typologische Untersuchung in 200 filmischen Portraits, 2002 in Berlin produziert.

Onlookers

The Atlas Group

The Atlas Group, ein Projekt von Walid Raad (1967 im Libanon geboren), wurde für seine Ausstellung „The Atlas Group Project“ in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof und im Museum für Gegenwart in Berlin (22. September 2006 bis 7. Januar 2007) in die Shortlist aufgenommen. „The Atlas Group“ ist ein von Walid Raad ins Leben gerufenes Projekt, in dessen Rahmen zwischen 1989 und 2004 die Zeitgeschichte des Libanon untersucht und dokumentiert wurde. Die Authentizität der fotografischen und filmischen Dokumente wird dabei fortwährend kritisch betrachtet und für den Betrachter in Frage gestellt. Das Projekt hinterfragt, wie Geschichte – speziell die durch einen Bürgerkrieg erschütterte – erzählt und visuell wiedergegeben werden kann. Die „Dokumente“ der Ausstellung basieren auf der Erinnerung an persönlich Erlebtem, beziehen sich aber auch auf kulturelle Fantasien, die aus dem Material kollektiver Erinnerungen entstanden sind.