Deutsche Börse Photography Prize 2013

Am 10. Juni 2013 zeichnete die internationale Jury in der Photographers’ Gallery in London Adam Broomberg & Oliver Chanarin mit dem Deutsche Börse Photography Prize 2013 aus. Als Finalisten des diesjährigen Preises waren ferner nominiert: Mishka Henner, Chris Killip und Cristina De Middel. Die Arbeiten der vier nominierten Künstler werden in einer Ausstellung in der Photographer's Gallery im Sommer 2013 gezeigt. Ab dem 12. September bis 29. November sind sie im Rahmen einer Sonderausstellung in The Cube, Konzernzentrale der Gruppe Deutsche Börse in Frankfurt/Eschborn sowie im Anschluss bei C/O Berlin zu sehen.

Die Jury

Die Mitglieder der Jury des Deutsche Börse Photography Prize 2013 waren der Künstler Joan Fontcuberta, Andrea Holzherr, Aussstellungsmanagerin bei Magnum, Karol Hordziej, künstlerischer Leiter des Photomonth in Krakau und Anne-Marie Beckmann, Kuratorin der Art Collection Deutsche Börse. Brett Rogers, die Direktorin der Photographers’ Gallery, führte den Vorsitz (ohne Stimmabgabe).

Die Finalisten wurden für folgende Projekte nominiert:

Adam Broomberg & Oliver Chanarin, Plate 26, George Bush serves a Thanksgiving turkey to US troops stationed in Baghdad in 2003, (photo Tim Sloan), work on paper, 24 cm x 29 cm, 2011

Adam Broomberg

(geb. 1970, Südafrika) & Oliver Chanarin (geb. 1971, Großbritannien) wurden für ihre Publikation „War Primer 2“ (2012) nominiert. Die limitierte Edition reproduziert Seiten von Bertolt Brechts „Kriegsfibel“ (1955). In dessen ursprünglicher Version standen Zeitungsausschnitte aus dem zweiten Weltkrieg kurzen Gedichten gegenüber, welche Pressebilder entmystifizieren sollten, die Brecht als „Hieroglyphen“ bezeichnete. In „War Primer 2“ konzentrieren sich Broomberg und Chanarin auf den Krieg gegen den Terror: Sie durchsuchten das Internet nach Bildschirmfotos und Aufnahmen von Mobiltelefonen in niedriger Auflösung und kombinierten diese mit den Gedichten Brechts. Mit dieser Überlagerung von Fotografiegeschichte üben Broomberg und Chanarin Kritik an Bildern aktueller Konflikte und deren Ausbreitung – ein Thema, das seit 15 Jahren im Zentrum ihrer Arbeit steht.

Mishka Hennner, SS98, Cerignola Foggia, Italy, 2012, © Mishka Henner

Mishka Henner

(geb. 1976, Großbritannien) wurde für seine Ausstellung „No Man’s Land“ im Rahmen des Fotografia Festival Internazionale di Roma Museum of Contemporary Art in Rom (20. September bis 28. Oktober 2012) nominiert. In seiner Ausstellung erkundet Henner mit Bildern, die mit Google Street View erzeugt wurden, die Grenzen städtischer und ländlicher Milieus in Europa. Die von Männern in Onlineforen mitgeteilten geografischen Aufenthaltsorte von Prostituierten werden von Henner durch den mechanischen Blick der auf Autos montierten Kameras dokumentiert. Seine Arbeiten werfen komplexe Fragen bezüglich der verschwimmenden Grenzen zwischen Voyeurismus, Informationsbeschaffung über das Internet und dem Recht auf Privatsphäre auf. 

Chris Killip, Youth on Wall, Jarrow, Tyneside, 1976, © Chris Killip

Chris Killip

(geb. 1946, Großbritannien) wurde für seine Austellung „What Happened Great Britain 1970 – 1990“ im Le Bal, Paris (11. Mai bis 19. August 2012) nominiert. Mit dieser Serie von Schwarz-Weiß-Bildern dokumentiert Killip die Desintegration des industriellen Großbritanniens in Gemeinden der Arbeiterklasse im Norden Englands. Killip taucht in das Leben der von ihm dargestellten Menschen ein und erzählt die persönlichen Geschichten von Männern bei der Arbeit vor dem Hintergrund sozialpolitischer Unruhen.

Cristina de Middel, Jambo, from the series “The Afronauts”, 2012, 30 x 30 cm, © Cristina de Middel

Cristina De Middel

(geb. 1975, Spanien) wurde für ihre Publikation „The Afronauts“ (2011) nominiert. Im Jahr 1964, nach der Erlangung seiner Unabhängigkeit, startete Zambia ein Weltraumprogramm unter der Leitung von Edward Makuka Nkoloso, dem einzigen Mitglied der weithin unbekannten National Academy of Science, Space Research and Philosophy. Das Programm, dessen Ziel es war, die ersten afrikanischen Astronauten auf eine Marsmission zu entsenden, wurde kurze Zeit später aufgelöst und war damit nichts weiter als eine amüsante Anekdote in der Geschichte des Landes. In „The Afronauts“ erschafft De Middel eine subjektive Version der Geschichte, ihre Mythen und Wahrheiten einbeziehend. Das Buch besteht aus einer Serie konstruierter Farbfotos, die zusammen mit Zeichnungen und Briefreproduktionen das erfundene, fantasievolle Porträt eines nationalen Traumes darstellen.