Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018

Zu den vier Finalisten der 21. Ausgabe des Deutsche Börse Photography Foundation Prize zählen die KünstlerInnen Mathieu Asselin, Rafal Milach, Batia Suter und Luke Willis Thompson. Die Bekanntgabe des Gewinners erfolgt im Mai 2018 im Rahmen einer Preisverleihung während der Ausstellung in der Photographers' Gallery London.

Die Arbeiten der Finalisten werden zunächst vom 23. Februar bis 3. Juni 2018 in The Photographers' Gallery London und anschließend im Rahmen der Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein Main 2018 im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main gezeigt. 

Jury

Gordon MacDonald, Kurator und Editor; Penelope Umbrico, Künstlerin; Duncan Forbes, Kurator und Gastlektor an der Westminster University; Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation sowie Brett Rogers, Direktorin, The Photographers' Gallery als Jury-Vorsitzende ohne Stimmrecht.

Die Finalisten wurden für folgende Projekte nominiert:

Mathieu Asselin, Van Buren, Indiana, 2013 © Mathieu Asselin

Mathieu Asselin

Mathieu Asselin (geb. 1973, Frankreich) wurde für sein Werk Monsanto A Photographic Investigation (Actes Sud, 2017) nominiert.

Mathieu Asselins akribische Recherche über die lange Geschichte des globalen Biotechnologiekonzerns Monsanto führt dem Betrachter in hunderten von Dokumenten und Fotografien die zerstörerischen Auswirkungen des Konzerns in ökologischer wie in ökonomischer Hinsicht vor Augen. Er zeigt damit Monsantos zynische Bemühungen, sein negatives Bild in der Öffentlichkeit reinzuwaschen. Im Laufe seiner umfassenden fünfjährigen Recherche reiste Asselin durch Vietnam und die USA auf der Suche nach Menschen und Orten, die auf dramatische Weise durch die Folgen von Monsanto betroffen sind. Das Ergebnis seiner entschlossenen Herangehensweise ist eine überwältigende Sammlung, die die Praktiken des Konzerns offenlegt und aufzeigt, wie Monsantos nahe Zukunft aussehen kann.

Rafal Milach, Anaklia, Georgia, 2013 © Rafal Milach

Rafal Milach

Rafal Milach (geb. 1978, Polen) wurde für seine Ausstellung Refusal (12. Mai – 18. Juni 2017, Atlas Sztuki Gallery, Lodz, Polen) nominiert.

Rafal Milachs künstlerische Arbeit befasst sich mit den gängigen soziotechnischen Systemen staatlicher Einflussnahme und ideologischer Manipulation von Meinung und Wahrnehmung. Milach richtet seinen Fokus auf ehemalige Sowjetstaaten wie Weißrussland, Georgien, die Ukraine, Aserbaidschan und Polen und spürt den Propagandamechanismen und ihrer visuellen Darstellung in Architektur, städtebaulichen Projekten und Gegenständen nach. Refusal zeigt unter anderem Fotografien von handgearbeiteten Objekten, die der Künstler in staatlichen Einrichtungen und Schachschulen entdeckt hat. Sie erschaffen optische Illusionen, deren augenscheinliche Harmlosigkeit sich im Kontext grundlegend verändert und die versinnbildlichen, wie der menschliche Verstand beeinflusst und kontrolliert werden kann. Darüber hinaus zeigen sowjetische Fernsehsendungen soziale Experimente und staatliche Labors, die gesellschaftliches Verhalten untersuchen und beispielhaft die Prozesse der Manipulation und Bedeutungsverschiebung zugunsten einer bestimmten Darstellung des Staates aufzeigen.

Batia Suter, Carnation, 2015 © Batia Suter

Batia Suter

Batia Suter (geb. 1967, Schweiz) wurde für ihre Publikation Parallel Encyclopedia #2 (Roma, 2016) nominiert.

Batia Suters umfangreiches Kompendium ist eine bildbasierte Abfolge subjektiver Assoziationen, aus denen sich visuelle Dialoge und neue Konstellationen ergeben. Sie verdeutlicht, wie unser Verständnis der physischen Welt und ihrer Geschichte sowie verschiedener Kulturen und Orte durch den Kontext beeinflusst wird, in dem sie dargestellt werden. Die Bilder sind Fundstücke aus rund 1.000 Veröffentlichungen und wurden von Suter zu verschiedenen Themen und Narrativen gruppiert. In Summe setzen sie sich mit dem Wesen der Bilder und dem Prozess ihrer Rezeption auseinander.
Mit ihrem neuen Werk, das an die 2007 erschienene erste Parallel Encyclopedia anknüpft, greift Batia Suter erneut die Ikonisierung von Bildern auf. Indem sie diese in neuen und anderen Kontexten arrangiert, zeigt sie so die Möglichkeiten der visuellen Bearbeitung auf. Suters künstlerischer Ansatz ist persönlich und intuitiv. Sie hat zahlreiche Bilder ausgewählt, die letztlich zeigen, wie Botschaften durch die Platzierung von Bildern beeinflusst bzw. manipuliert werden können.

Luke Willis Thompson, Autoportrait, 2017, Installation view, Chisenhale Gallery 2017, Commissioned by Chisenhale Gallery and produced in
partnership with Create, Courtesy of the artist, Photo: Andy Keate

Luke Willis Thompson

Luke Willis Thompson (geb. 1988, Neuseeland) ist für das Werk autoportrait (23. Juni – 27. August 2017 in der Chisenhale Gallery, London, Vereinigtes Königreich) nominiert worden.

Luke Willis Thompsons Installation zeigt auf einem einzelnen Bildschirm den 35 mm Schwarz-Weiß-Film autoportrait, ein stummes Portrait von Diamond Reynolds. Reynolds musste am 6. Juli 2016 in Minnesota, USA mitansehen, wie ihr Partner Philando Castile von einem Polizisten erschossen wurde. Reynolds hatte die Situation unmittelbar nach den tödlichen Schüssen gefilmt und über Facebook Live veröffentlicht. Ihr Video wurde daraufhin mehr als sechs Millionen Mal angeklickt.
Im November 2016 nahm Thompson Kontakt zu Reynolds und ihrem Anwalt auf und schlug Reynolds eine künstlerische Zusammenarbeit vor, um eine ästhetische Antwort auf die Videoaufnahme von Reynolds zu finden. Dieses Werk soll mit dem öffentlichen Bild von Reynolds brechen, welches durch die Momentaufnahme einer Frau im Angesicht von Gewalt und einem nicht versiegenden Nachrichtenfluss zementiert worden ist. Im Juni 2017 wurde das Originalvideo von Reynolds der Jury vor Gericht als Beweisstück vorgespielt. Trotz der Fülle des vorliegenden Bildmaterials, wurde der Polizist, der Castile erschossen hat, freigesprochen. autopotrait verfolgt die Frage der Wirkung von Reynolds' Aufnahme, vor dem Hintergrund nach wie vor vorherrschender rassistischer Machtstrukturen.