Wissenschaftlicher Dialog

Den wissenschaftlichen Austausch zum Thema Fotografie anzuregen und zu ermöglichen, ist eines der zentralen Anliegen der Deutsche Börse Photography Foundation. Gemeinsam mit anderen Partnern werden Formate entwickelt und Plattformen geschaffen, die Interessierte mit Künstler*innen, Kritiker*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen in einen Dialog bringen. Dafür greift die Stiftung auf ein internationales Kooperationsnetzwerk aus Museen, Hochschulen und weiteren Institutionen zurück. Es werden Veranstaltungsreihen zu aktuellen Themen der Fotoszene ausgerichtet, Symposien und Vorträge organisiert und Künstler*innen zu Werkgesprächen mit der Öffentlichkeit eingeladen.


Aktuelle Veranstaltungen

Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Photographie

California Camera Club at Mirror Lake, keine Datierung, California Camera Club lantern slide collection, Los Angeles Public Library

Die Deutsche Börse Photography Foundation und die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) haben erstmals gemeinsam ihre neu ins Leben gerufenen Preise für Forschung und Publizistik im Bereich der Fotografie vergeben. Beide Auszeichnungen würdigen Beiträge, die den wissenschaftlichen Austausch zum Medium Fotografie in besonderer Art und Weise bereichern und fördern.

Der DGPh-Forschungspreis „Thinking Photography“ wurde an die Dozentin Dr. Carolin Görgen (Sorbonne Université Paris, Department of American Studies) für ihre Studie “Out here it is different' – The California Camera Club and community imagination through collective photographic practices toward a critical historiography, 1890-1915“ verliehen. Darin beschäftigt sich Görgen mit dem bis dato kaum bekannten „California Camera Club“, einer 1890 in San Francisco gegründeten Organisation von professionellen und nicht-professionellen Fotograf*innen. „Thinking Photography“ ist mit 3.000 € dotiert und zeichnet Publikationen aus der Fototheorie und -geschichte aus, die das Themenfeld mit wichtigen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Ansätze bereichern.

Die Jury begründete ihre Auswahl wie folgt: „Mit ihrer Historiografie des California Camera Club hat Carolin Görgen eine Studie vorgelegt, die einen großen Gewinn für die Fotografieforschung darstellt. Im Unterschied zu zahlreichen Arbeiten über die Geschichte der US-amerikanischen Fotografie um 1900 richtet Görgen den Blick nicht auf die Ostküste und die prominenten Vertreter des so genannten „Piktorialismus“ (Alfred Steglitz et.al.), sondern auf die Westküste und auf eine Organisation von professionellen und nicht-professionellen Fotografen, deren Arbeit durch das Engagement für die Darstellung des US-amerikanischen ‚Westens‘ und insbesondere der Region Kalifornien gekennzeichnet ist. Dem Perspektivwechsel der Studie implizit ist eine Akzentverschiebung, die deutlich macht, wie sehr die fotografiegeschichtliche Forschung durch die Profilierung von bislang marginalisierten Aspekten profitieren kann. Dazu gehören die Würdigung kollektiver und vernetzter Arbeit anstelle der monografischen Ausrichtung auf das einzelne OEuvre; die Fokussierung institutioneller Strukturen; die Auseinandersetzung mit der soziokulturellen und kulturpolitischen Dimension fotografischer Praxis und nicht zuletzt die kommunikative Nutzung des fotografischen Mediums in einer historischen Epoche der Umbrüche und der gesellschaftlichen Neuverständigung. Die Rechercheleistung, die mit Görgens Studie verbunden ist, kann kaum hoch genug angesetzt werden, zumal die Autorin der Fotografieforschung zahlreiche neue Materialien und Quellen erschließt. Diese historiografischen Verdienste sind umso mehr zu betonen, als es sich zugleich um eine sehr gut geschriebene Arbeit handelt, die durch ihre herausragenden stilistischen Qualitäten überzeugt."

Carolin Görgen, Jahrgang 1990, ist Associate Professor für Amerikanistik an der Sorbonne Université Paris. Sie studierte Amerikanistik sowie Kunstgeschichte und Französisch in den Niederlanden, den USA und Frankreich. Ihre Promotion schloss sie 2018 an der Universität Paris-Diderot und der École du Louvre ab. Stipendien erhielt sie unter anderem von der Terra Foundation for American Art, der Huntington Library, der Beinecke Library Yale und dem Amon Carter Museum. Zwischen 2016 und 2019 co-organisierte sie das Seminar Camera Memoria an der Universität Paris-Diderot. Derzeit ist sie Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift Photographica. 

 

 

Auszug aus der Publikation "One Wall a Web" von Stanley Wolukau Wanambwa, publiziert bei ROMA Publications (2018)

Die Auszeichnung „Writing Photography“ wurde an Stefan Vanthuyne für sein Interview “The paradoxically perfect and utterly imperfect photobook” mit dem Fotografen und Autor Stanley Wolukau-Wanambwa verliehen. Vanthuyne ist Autor, Fotografieforscher, Fotograf und Gastdozent an der Royal Academy of Fine Arts Antwerpen, Belgien. Ausgezeichnet wurde sein auf Google-Docs geführtes Gespräch mit Wolukau-Wanambwa, in dem es vor allem um die Produktion und Erforschung von Fotobüchern als künstlerisches Medium geht. “Writing Photography“ würdigt als Preis für innovative Publizistik kürzere schriftliche Formate wie Blogbeiträge, Kolumnen und Rezensionen, netzbasierte Veröffentlichungen und Publikationen, die Texte und fotografisches Material auf kreative Weise verbinden. Der Preis ist mit 1.000 € dotiert.

Die Jury erklärt ihre Auswahl wie folgt: "Mit dem auf Google-Docs geführten Interview “The paradoxically perfect and utterly imperfect photobook” wird eine dreiteilige Diskussion zwischen Stefan Vanthuyne und Stanley Wolukau-Wanambwa ausgezeichnet. Wolukau-Wanambwa’s Publikation „One Wall a Web“, die 2018 den “Aperture First PhotoBook Award” gewann, bildet dabei den Ausgangspunkt für eine umfassende Auseinandersetzung mit der Produktion von Fotobüchern. Mit der Verleihung wird zugleich das Projekt Belgian Platform for Photobooks (BPPB) gewürdigt, das von Stefan Vanthuyne 2017 als Online-Plattform initiiert wurde und sich seither in Artikeln, Interviews und Veranstaltungen der Erforschung des Fotobuchs als künstlerischem Medium widmet. Die Auszeichnung dieses Projekts ist sowohl in seiner internationalen Ausrichtung und seiner kollaborativen Konzeption begründet als auch in dem hohen ästhetischen Anspruch, von dem die Gestaltung der Veröffentlichungen bestimmt ist. In vorbildlicher Weise verbindet BPPB zudem die erweiterten Möglichkeiten der Online-Publikation mit einem Programm von Präsenzveranstaltungen, um auf diese Weise die Vernetzung einer Fachcommunity und den kontinuierlichen Austausch über ein Medium des fotografischen Ausdrucks zu ermöglichen. Aufgrund der hohen redaktionellen und stilistischen Standards und des umfassenden Engagements des Autors und Redakteurs Stefan Vanthuyne hat das Projekt Belgian Platform for Photobooks nicht nur wesentlich zur Wahrnehmung des Fotobuchs beigetragen, sondern auch vorgeführt, wie sich etablierte Veranstaltungsformen und neue Publikationskontexte im Interesse der Fotografieforschung produktiv verbinden lassen."

Stefan Vanthuyne ist Autor und Gastdozent im Bereich der Fotografie. Er schreibt über die verschiedensten fotografischen Themen sowie über Fotobücher, u.a. für die beglische Zeitung "De Standaard". Seine Beiträge erscheinen außerdem in Magazinen wie "Extra" und dem "Trigger magazine (FOMU)", "1000 Words" und Aperture’s "The Photobook Review". Von 2017 bis 2020 gehörte er der Royal Academy of Fine Arts Antwerpen an, wo er Forschungsarbeiten zum Medium des zeitgenössischen Fotobuchs durchführte. Der Blog "Belgian Platform for Photobooks", auf dem auch sein Interview erschien, wurde von ihm 2017 gegründet und 2018 organisierte er das Symposium "The Individual, The Political and The Photobook". 

 

Außerdem hat die Jury zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen. Für „Thinking Photography“ geht diese an die freiberufliche Kuratorin, Autorin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Ulrike Matzer, für die Dissertation „Eine Gender-Analyse von Fotografie-Historiografien am Beispiel zweier Berufsfotografinnen in Wien, 1860–1914“. Eine weitere lobende Erwähnung, aus dem Bereich „Writing Photography“, geht an den Promotionsstudent Jan-Philipp Nühlen für seinen Essay „745.000 Meilen unter dem Meer. Taryn Simon – Transatlantic Sub-marine Cables Reaching Land VSNL International Avon, New Jersey, 2007”.

Mit ihrer im letzten Jahr etablierten Partnerschaft fördern die Deutsche Börse Photography Foundation und die DGPh gemeinsam den wissenschaftlichen Dialog zur Fotografie. Im Rahmen ihrer Kooperation wurde der 1978 ins Leben gerufene „DGPh - Forschungspreis Photographiegeschichte“ neu konzipiert, dieser wird nun in Form von zwei Auszeichnungen vergeben. Eine Preisverleihung fand im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung als Teil des RAY Festivals am 2. September 2021 in Frankfurt am Main statt.

Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus: Prof. Dr. Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim, Leitung der Sektion "Geschichte und Archive", Deutsche Gesellschaft für Photographie), Alexandra König (Deutsche Börse Photography Foundation, Frankfurt am Main), Dr. Kathrin Schönegg (Kuratorin C/O Berlin, Preisträgerin des DGPh Forschungspreises 2018) und Prof. Dr. Alexander Streitberger (Direktor des Lieven Gevaert Research Centre for Photography, Art and Visual Culture (LGC), Leuven, Belgien).

 

Bisherige Veranstaltungen

Symposien

Symposium der 10. Darmstädter Tage der Fotografie

Die Deutsche Börse Photography Foundation förderte das eintägige Symposium der 10. Darmstädter Tage der Fotografie am 21. April 2018, auf dem das Festivalthema  "Perspektiven - Strategien fotografischen Handelns" vertieft, diskutiert und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wurde. Internationale Fotografieexpert*innen, renommierte Kurator*innen und beteiligte Künstler*innen stellten ihre Perspektiven und Strategien fotografischen Handelns vor.

Gordon Parks. I Am You. Selected Works 1942–1978

Gemeinsam mit den beiden Experten Prof. Dr. Annette Brauerhoch (Filmwissenschaftlerin, Universität Paderborn) sowie Dr. Simon Wendt (Juniorprofessor der Amerikanistik, Goethe Universität Frankfurt am Main) bot die Deutsche Börse Photography Foundation im Rahmen eines Gesprächsabends am 11. Dezember 2017 einen Einblick in das filmische, fotografische und politische Wirken von Gordon Parks. Inwiefern haben sich sein Schaffen als Fotoreporter und Filmregisseur sowohl thematisch als auch ästhetisch gegenseitig beeinflusst? Gelang es ihm, mit seinen Fotografien der Ausbeutung und Diskriminierung von Minderheiten entgegenzuwirken? Welchen Einfluss hatte die amerikanische Bürgerrechtsbewegung auf seinen Blick auf die Welt? Diesen und weiteren Fragen gingen die Referent*innen in Bezug auf das Multitalent Gordon Parks und sein vielschichtiges Werk nach.

Magnum Photos at 70. Past - Present - Future

Aus Anlass des 70 jährigen Bestehens der internationalen Fotoagentur Magnum veranstaltete die Deutsche Börse Photography Foundation in Kooperation mit Magnum Photos und Leica Camera Frankfurt am 24. und 25. November 2017 ein Programm, das die Begegnung mit Magnum-Mitgliedern in Frankfurt ermöglichte.

Im Rahmen eines Symposiums boten Podiumsgespräche mit den drei Fotograf*innen Thomas Dworzak (DE), David Hurn (UK) und Newsha Tavakolian (IRN), ergänzt durch Filmmaterial aus dem Projekt "Magnum Time" von Marco Bischof, Züricher Filmemacher und Sohn des Magnum-Fotografen Werner Bischof, Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie in die gegenwärtige Entwicklung von Magnum. Der Abend wurde moderiert von Anne-Marie Beckmann und Marco Bischof. Zu dem Programm zählte weiterhin ein eintägiger Workshop für Fotointeressierte mit Portfolio Reviews und Präsentationen der drei Magnum Fotograf*innen Dworzak, Hurn und Tavakolian.

Begleitend zum Veranstaltungswochenende wurden vom 24. November bis 9. Dezember 2017 in der Leica Camera Frankfurt Fotografien von Magnum-Mitgliedern gezeigt. Die Ausstellung mit Arbeiten aus der Art Collection Deutsche Börse sowie einer Werkauswahl aus der Leica Galerie spannte den Bogen von den frühen 1950er-Jahren bis heute. Mit Werken von u. a. Werner Bischof, Thomas Hoepker, Martin Parr, Paul Fusco und Alec Soth waren viele verschiedene fotografische Ansätze vertreten.

Hier ein Video mit einem kleinen Rückblick.

WATCHED! Surveillance Art & Photography, C/O Berlin

Gemeinsam mit C/O Berlin organisierte die Deutsche Börse Photography Foundation eine Veranstaltungsreihe, die von Juni 2016 bis April 2017 stattfand. Im Rahmen von sechs Diskussionsrunden bzw. Vorträgen wurden Themen wie Überwachung, Big Data oder die Verbreitung privater Momente im Netz aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht. Zu den Referent*innen zählten international bekannte Künstler*innen wie Hasan Elahi oder Beat Streuli, Soziolog*innen wie Harald Welzer, Politiker*innen (z. B. Heiko Maas, Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz), der Autor James Bridle ebenso wie Psycholog*innen, Medienexpert*innen und verschiedene Rechtsexpert*innen.

Künstlergespräche

Jonas Bendiksen und Thomas Dworzak, 20. April 2021, Künstlergespräch.  Anlässlich der Ausstellung „Open for Business – Magnum photographers on commission“ diskutierten die Kuratorinnen der Ausstellung, Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation) und Mirjam Kooiman (Fotografiemuseum Amsterdam) mit den beiden Magnum Fotografen übre die besonderen Herausforderungen der Arbeit an Gruppenaufträgen. 

 

Cristina De Middel und Martin Parr, 16. Dezember 2020, Künstlergespräch. Anlässlich der Ausstellung „Open for Business – Magnum photographers on commission“ sprach Anne-Marie Beckman mit den beiden Fotograf*innen über die Praxis kommerzieller Auftragsarbeiten, deren Rolle innerhalb der renommierten Agentur Magnum Photos und über die Wechselwirkung zwischen ihren persönlichen Projekten und Aufträgen von Unternehmen und Organisationen.

 

Susan Meiselas, 7. November 2019, Künstlergespräch bei Magnum Photos Paris. Die Direktorin der Photography Foundation, Anne-Marie Beckmann, sprach mit der Fotografin Susan Meiselas, die in diesem Jahr mit dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize ausgezeichnet wurde und deren Werke ebenfalls Teil der Sammlung sind, über ihre Arbeit.

 

Sylvain Couzinet-Jacques und Jaya Pelupessy, 16. Oktober 2019, Künstlergespräch an der HfG (Hochschule für Gestaltung) Offenbach mit den beiden Nachwuchskünstler*innen aus dem Foam Talent Programm mit Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation) sowie Marcel Feil (Foam Fotografiemuseum Amsterdam) über ihr Werk und die Teilnahme an Förderprogrammen für junge Künstler*innen.

 

Dana Lixenberg, Julian Röder und Tobias Zielony, 25. Juni 2019, Künstlergespräch mit den drei Fotograf*innen und Anne-Marie Beckmann über ihr Gesamtwerk und Themen wie Identität, Subkulturen, deren Repräsentation sowie den Einfluss der sozialen Medien auf diese Aspekte ihrer Arbeit im Foam Fotografiemuseum Amsterdam.

 

John Stezaker, 9. April 2019, Gespräch in der Londoner Photographers' Gallery mit Anne-Marie Beckmann über sein fotografisches Werk.

 

Lucas Foglia, 5. September 2017, Vortrag des amerikanischen Fotografen zu seinem neuen Fotobuch „Human Nature" und den Entstehungsgeschichten der Bilder.

 

Hosam Katan, 29. November 2016, Präsentation des jungen syrischen Fotografen mit seinen dokumentarfotografischen Arbeiten zum Bürgerkrieg in Aleppo.