Wissenschaftlicher Dialog

Den wissenschaftlichen Austausch zum Thema Fotografie anzuregen und zu ermöglichen, ist eines der zentralen Anliegen der Deutsche Börse Photography Foundation. Gemeinsam mit anderen Partnern werden Formate entwickelt und Plattformen geschaffen, die Interessierte mit Künstlern, Kritikern, Kuratoren und Wissenschaftlern in einen Dialog bringen. Dafür greift die Stiftung auf ein internationales Kooperationsnetzwerk aus Museen, Hochschulen und weiteren Institutionen zurück. Es werden Veranstaltungsreihen zu aktuellen Themen der Fotoszene ausgerichtet, Symposien und Vorträge organisiert und Künstler zu Werkgesprächen mit der Öffentlichkeit eingeladen.


Veranstaltungsreihe mit C/O Berlin

Gemeinsam mit C/O Berlin organisiert die Deutsche Börse Photography Foundation die Veranstaltungsreihe "WATCHED! Surveillance Art & Photography". Im Rahmen von sechs Diskussionsrunden bzw. Vorträgen werden Themen wie Überwachung, Big Data oder die Verbreitung privater Momente im Netz aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht. Wie erleben wir Beobachtung in Form von Kameraüberwachung, staatlicher Datenvorratsspeicherung, aber auch über die zahlreichen Möglichkeiten der Selbstkontrolle und -darstellung in den Social Media? Mit welchen neuen Technologien und Angeboten lassen wir unser Privatleben immer öffentlicher werden und wie verändert dies unsere Wahrnehmung? Wie reagieren Künstler auf diese Entwicklungen?Diesen und anderen Fragen werden die Referenten nachgehen, zu ihnen zählen Künstler und Medienexperten ebenso wie Soziologen, Psychologen, Rechtsexperten und Politiker.

Die Veranstaltungsreihe begann am 30. Juni 2016 mit dem Vortrag "The Changing Gaze - From Observation to Surveillance" von Sandra Phillips, Senior Curator for Photography SFMOMA, San Francisco. Dieser beschäftigte sich mit der veränderten Rezeption von Fotografie vor dem Hintergrund der Surveillance-Problematik. Eine Video-Aufzeichnung des Vortrages finden Sie hier.

Die zweite Veranstaltung fand am 15. September statt. In der Paneldiskussion "Privacy vs. Street Photography" erörterten Julia Reda (EU-Politikerin), Beat Streuli (Künstler), Sebastian Graalfs (Rechtsanwalt), Reto Klar (Bildredakteur) und Prof. Dr. Christian Chychowski (Rechtsanwalt) die Grenzen von Fotrografie im öffentlichen Raum.
Moderation: Dr. Friedrich Tietjen.
Podcast der Paneldiskussion zum Nachhören

Die dritte Veranstaltung war die Paneldiskussion am 13. Oktober 2016 zum Thema „Das öffentliche Ich“ mit Hasan Elahi (Künstler und Medienwissenschaftler), Harald Welzer (Soziologe), Florian Mehnert (Künstler) und Catarina Katzer (Cyberpsychologin). Die Gesprächspartner diskutierten, moderiert von Ann-Christin Bertrand, C/O Berlin, und Anne-Marie Beckmann, Deutsche Börse Photography Foundationvon, über die Verlagerung der Privatsphäre in die Öffentlichkeit und die damit verbundenen Auswirkungen.
Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Panel.

Der vierte Termin fand am 1. Dezember 2016 zum Thema "Big Data" statt. Heiko Maas (Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz), Sophie Mützel (Soziologin mit Schwerpunkt „Medien & Netzwerke“) sowie der Künstler und Autor James Bridle diskutierten über den Nutzen und die Gefahren unseres transparenten Lebens in Zeiten der digitalen Verwertbarkeit von Daten. Die Veranstaltung wurde von der Chefkorrespondentin der Deutschen Welle und TV-Moderatorin Melinda Crane moderiert.
Podcast der Paneldiskussion zum Nachhören

Die nächsten Veranstaltungen der Reihe sind:

"Watched V" zum Thema "Sicher Unsicher" am 30. März, 20:30 Uhr: Talk mit Dr. Dominik Haubrich im Dialog mit Ann-Christin Bertrand

Der Stadtsoziologe Dominik Haubrich fragt, warum unsere Gesellschaft sich trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen durch Überwachung immer unsicherer fühlt. Mit der Kuratorin Ann-Christin Bertrand spricht er anschließend über den künstlerischen Umgang mit den Ambivalenzen der Sicherheitsregime in den Arbeiten der aktuellen Ausstellung Watched! Surveillance, Art & Photography.
Mehr Informationen zur Veranstaltung

"Watched VI" zum Thema "Seeing Machines" am 20. April, 20:30 Uhr: Vortrag von James Bridle (in englischer Sprache)


Alle Veranstaltungen finden bei C/O Berlin im Amerika-Haus in Berlin statt.

Künstlergespräche

Am 29. November 2016 veranstaltete die Deutsche Börse Photography Foundation im Rahmen der Reihe "Künstlergespräche" ein Gespräch mit dem syrischen Fotografen Hosam Katan. Der Fotograf stellte seine Arbeiten vor und  berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen im Konfliktgebiet.

Mit seinen Arbeiten dokumentiert der junge Syrer den seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in seiner Heimatstadt Aleppo. In unterschiedlichen Facetten stellt er das Leben der Zivilbevölkerung während der Unruhen dar. Seine Bilder zeigen zerstörte Gebäude, Kampfsituationen, aber auch Alltagsszenen der Bewohner. Mit seinem Gespür für den richtigen Moment schafft Hosam Katan eindrückliche Bilder aus der Perspektive des unmittelbaren Beobachters, die über eine reine Dokumentation des Geschehens hinausgehen.

Hosam Katan (*1994) wurde in Aleppo, Syrien, geboren und begann bereits mit 18 Jahren als Fotograf für das Aleppo Media Center zu arbeiten. Kurze Zeit später verbreiteten sich die Aufnahmen seiner umkämpften Heimat über die Agentur Reuters und fanden Eingang in diverse Magazine, darunter der „Stern“, die „New York Times“ und der „Telegraph“. Er verließ Syrien Ende letzten Jahres über die Türkei und kam als Flüchtling nach Deutschland, wo er im Frühjahr 2016 ein Gastsemester an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG), absolvierte. Katan erhielt  für seine Arbeit u.a. den Nannen-Sonderpreis und einen Sonderpreis für Fotografie der Deutsche Börse Photography Foundation, der gemeinsam mit der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) vergeben wurde.