Balthasar Burkhard

Ansichten des Unsagbaren

Hermetische Geschlossenheit und poetische Tiefe kennzeichnen Balthasar Burkhards fotografisches Werk. Der Künstler konzentriert sich auf einen überschaubaren Bestand von Sujets, die er einzeln, aus dem Kontext herausgelöst und in Großformaten vorführt: die Geisha (samtene Zartheit des fernöstlichen Gesichts), das Zebra (schwarz-weiße Linienführung auf vier Hufen), den geöffneten Frauenschoss (Garten der Lüste und Origine du Monde), die Schnecke (glitschig-labiale Windungen), die Quelle (mineralische Kunde aus dem Mittelpunkt der Erde), den Bambus (frischer, glatter Stamm), verschiedene Körperteile (Grazie, Schönheit, Lässigkeit), den Schwanenflügel (mit ihm zu kreisen über dem See), den Berggipfel (vom Himmel durch die Welt zur Hölle), die Düne (mondbeglänzte Zaubernacht), die Welle (Elementargewalt aus Wasser und Luft), die Stadt (duftig-schimmernde Siedlungstextur).

So karg diese Bilder dem ersten Blick erscheinen, im aufmerksamen Betrachter setzen sie einen Rezeptionsprozess in Gang, der verborgene Gefühlspotenziale freilegt. In seinen Alpenbildern zum Beispiel thematisiert Balthasar Burkhard das Miteinander von Leichtigkeit und Kraft, von Delikatesse und Monumentalität. So werden sie zu Metaphern für die Vermählung von Himmel und Erde.

Viel Licht, viel Schatten und keine Spur von Chromatik: Balthasar Burkhard diszipliniert sich zu strenger Ökonomie im Einsatz seiner technischen Mittel. Die Nähe seiner Arbeiten zu anderen Künsten wie der Malerei, der Skulptur und der Architektur ist anschaulich. Fotografie sei die Kunst, extrem einfache Dinge auf komplizierte Weise zu zeigen, steht in einem Ausstellungskatalog zu lesen. Oder extrem komplizierte Dinge auf einfache Weise?

Biografische Daten

1944

geboren in Bern

1961-1964

studiert bei dem Berner Fotografen Kurt Blum

1976-78

Gastprofessur für Fotografie an der University of Illinois in Chicago, USA

1972-81

regelmäßige Besuche in New York, Beteiligung an verschiedenen Filmprojekten

2010

stirbt in Bern