Candida Höfer

Innenansichten

„Ich fotografiere in öffentlichen und halböffentlichen Räumen aus unterschiedlichen Epochen. Es sind Räume, die für jeden zugänglich sind. Es sind Plätze der Begegnung, der Kommunikation, des Wissens, der Entspannung, der Erholung. Es sind Kuranlagen, Hotels, Wartesäle, Museen, Bibliotheken, Universitäten, Banken, Kirchen und seit einigen Jahren zoologische Gärten. Alle Räume haben eine Aufgabe, und die Dinge in den Räumen haben zumeist auch eine Aufgabe.“

Mit Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth gehört Candida Höfer zur ersten Generation von Bernd und Hilla Bechers Fotoklasse an der Düsseldorfer Kunstakademie. Kühle Sachlichkeit, präzises Erfassen von Details und ein Blick für Strukturen kennzeichnen die Arbeiten der Schüler wie die ihrer Lehrer. Hinzu kommt bei Candida Höfer ein ausgeprägtes Interesse an Reihen und Ordnungen. Der Innenraum ist seit den 80er Jahren ihr Hauptmotiv, das sie in thematischen Blöcken und einheitlichen Formaten zusammenfasst.

Neben Flächen und Formen beanspruchen Licht und Farben eine auffällige Präsenz in ihren Bildern. Die Beleuchtung kann künstlich oder natürlich sein: Immer beschränkt sich Candida Höfer auf die vorgegebenen Lichtverhältnisse, die sie als integralen Raumbestandteil betrachtet. Dennoch will sie ihre Arbeiten nicht als bloße Dokumentation verstanden wissen. Stets möchte sie die besondere Atmosphäre eines Raumes wiedergeben. Doch nicht, wie das natürliche, sondern wie das Kamera-Auge sie erfasst.

Candida Höfer konzentriert sich ganz auf die ästhetische Eigenständigkeit abstrakter Strukturen. Die Innenräume zeigt sie uns größtenteils menschenleer und damit außerhalb ihrer eigentlichen Gebrauchsfunktion. Gleichwohl können und wollen die Fotografien das handelnde Subjekt nicht verleugnen. Nichts ist selbstverständlich oder gegeben, alles hat eine Geschichte: leere Stuhl- und Tischreihen, aufgereihte Buchrücken, unterschiedliche architektonische Stile, sich überlagernde historische Epochen. Candida Höfers entvölkerte Räume sind kulturelle Orte, in denen sich Veränderung objektiviert. Der Mensch ist nur ausgespart, nicht abwesend.

Biografische Daten

1944

geboren in Eberswalde

1964-68

studiert an der Kölner Werkschule

1973-76

studiert an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Filmklasse

1976-82

studiert an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Fotografieklasse von Bernd Becher

lebt und arbeitet in Köln