Christina Zück

Exotische Kreaturen

„Man muss die Menschen in ihrem Verhältnis zu sich selbst aufnehmen, das heißt in ihrem Schweigen“, sagte Henri Cartier-Bresson, dessen Porträtwerk mittlerweile Klassikerstatus besitzt. Jede Fotografie schweigt. Die Objekte vom lärmend-dramatischen Kontext der realen Welt zu lösen, gehört zu den Grundeigenschaften des Mediums. Fotografie funktioniert – im Unterschied zu Film und Fernsehen – ohne Kommentar. Dennoch: Fotos können auch sprechen. Stets war Cartier-Bresson auf der Suche nach dem „entscheidenden Moment“. Gelingt es, ihn einzufangen, dann hält die Welt den Atem an, die Elemente einer flüchtigen Wirklichkeit verdichten sich, der Porträtierte beginnt, seine Geschichte zu erzählen.

Christina Zück porträtiert Tiere. In einer hoch technisierten Gesellschaft, deren Expansionsdrang auch vor entlegenen Bezirken der Natur nicht Halt gemacht hat, geht das nicht, ohne das gebrochene Mensch-Tier-Verhältnis in den Blick zu rücken. Viele ihrer Motive findet Christina Zück in zoologischen Gärten. Vom Menschen angelegte Habitats und gemalte Dioramen, die sie mit abbildet, simulieren dort den natürlichen Lebensraum: Sie dokumentieren einen kaum überbietbaren Grad an Künstlichkeit in unserem Umgang mit der Natur.

Ihre Hauptaufmerksamkeit richtet Christina Zück auf die Tiere selbst. Oft müssen die exotischen Kreaturen als Folie menschlicher Projektionen herhalten. Die expressiven Tierporträts jedoch sind von erstaunlicher psychologischer Authentizität: Sie fangen den Zauber von Wesen ein, die sich ihres Bildes nicht bewusst und gerade dadurch eins und identisch mit sich selbst sind.

Biografische Daten

1969

geboren in Giessen

1988-89

Studium der Lettres Modernes, Université Stendhal, Grenoble

1989-92

Studium der Ecole Nationale de la Photographie, Arles

1992-93

Studium der Fine Arts, Cooper Union, New York

1993-99

Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe

lebt und arbeitet in Berlin