Ivo Kuhn

Alpine Architektur

„Bilder aus den Bergen bieten zweierlei Extreme zugleich“, sagt Ivo Kuhn und fügt hinzu: „Zum einen sind sie kulturell außerordentlich vorbelastet, zum anderen können sie auch als Abbild eines konkreten Ortes eine starke Präsenz haben.“ Der 1970 in Bregenz geborene Wahl-Zürcher hat sich in seiner bisher größten Werkgruppe der Auseinandersetzung mit Berglandschaften verschrieben und erläutert seine Herangehensweise, indem er an die Malerei erinnert: „Jedes Bild formuliert eine bewusst gemachte Vorstellung. Das gilt auch für eine Fotografie. Nur dass man eine Fotografie ja eigentlich nicht derart frei komponieren kann wie ein Gemälde. Ich kann einen Landschaftsraum nicht vor der Kamera frei zusammensetzen und scheinbar mit dem Lineal die Umrisse vorgeben.“

Ivo Kuhns Bilder sind geplant. Wie sehr seine Bilder mit der Auswahl des Standpunktes erst entstehen, beschreibt der studierte Architekt in einem Satz: „Wenn man die Kamera nur um einen Meter versetzt hätte, wäre das ganze Bild in Unregelmäßigkeit zerfallen.“ Bei der Motivsuche legt Kuhn über Standort, Blickwinkel und Blickrichtung den Bildaufbau bereits fest, bevor er die Aufnahme macht. Vor Ort muss er sich dann schnell entscheiden, wo er seine Kamera genau aufstellt. Der Vordergrund lässt sich bei der Recherche im Internet nicht immer genau abschätzen, da kleinere Verwerfungen an der Topografie und den Gesteinsbrocken oft nicht zuverlässig vorab erfahrbar sind. Kuhn denkt das Bild auch am Ort weiter.

Dabei ist er trotz aller Vorbereitung auch vom Wetter abhängig. Er setzt seine Pläne nur dann um, wenn die Wettervorhersage eintrifft und die Lichtstimmung genau so ist wie erwartet. Das ist selten der Fall – und wenn, dann nur für eine begrenzte Zeit, sodass Aufnahmen nicht wiederholbar sind. Mit der großen Menge an Bildern, die Kuhn bei guten Bedingungen – wie er sagt, „einsammelt“ – geht es zum nächsten und genauso wichtigen Teil seiner Arbeit, der Ausarbeitung. Während dieses Arbeitsschritts wählt er anhand von Skizzen bestimmte Aufnahmen aus, die er zu einer Mehrfachbelichtung überlagert; anschließend legt er nur noch den Anteil fest, den die einzelnen Belichtungen im finalen Bild haben sollen.

Was der Künstler dann erreicht, ist sicherlich einmalig: Auch der nicht an Naturwelten oder eben Berglandschaften interessierte Betrachter wird von diesen Kompositionen in ungewohntem Maße in den Bann gezogen. Immer wieder sind neue Details in einmaliger Schärfe zu entdecken, jedes Bild wirkt mehrfach, wirkt eben immer neu. Steine, hart, scharf, karg – in diesem Fall einfach ästhetisch und anregend.

Biografische Daten

1970

geboren in Bregenz, Österreich, aufgewachsen in Bremen

1992–2001

Studium der Feinmechanik, Architektur und Kunstgeschichte in Spanien und Deutschland

2001

Architekturdiplom für urbane Projekte in Bilbao, Spanien

2001

Umzug nach Zürich, wo er als Architekt und Designer arbeitet

2009

Beginn der Arbeit als eigenständiger Fotokünstler

lebt und arbeitet in Zürich