Jamel Shabazz

Jamel Shabazz, Picture Man, Brooklyn, NYC, 1982, 76 x 61 cm, c-print
Jamel Shabazz, Watch the Closing Doors, Brooklyn, NYC, 1980, 36 x 28 cm, c-print
Jamel Shabazz, Trio, Brooklyn, NYC, 1980, 36 x 28 cm, c-print
Jamel Shabazz, A Perfect Match, Manhattan, NYC, 1980, 36 x 28 cm, c-print
Jamel Shabazz, Soros for Life, Crown Heights, Brooklyn, NYC, 1981, 36 x 28 cm, c-print
Jamel Shabazz, A Time Before Starbucks, Brooklyn, NYC, early 1980, ´s 36 x 28 cm, c-print
Jamel Shabazz, Rush Hour, NYC, 1988, 61 x 76 cm, c-print
Jamel Shabazz, Rolling Partners, Downtown, Brooklyn, NYC, 1982, 61 x 76 cm, c-print
Jamel Shabazz, Radio Man, Flatbush, Brooklyn, NYC, 1980, 76 x 61 cm, c-print

Der Stadtteil Brooklyn gehört erst seit 1898 offiziell zu New York City, davor war er eine unabhängige Stadt. Schon immer war das riesige Stadtgebiet östlich des East River ein bedeutender Anlaufpunkt für Immigrant*innen, was ihm den Ruf einbrachte, ein Armenghetto zu sein. Doch ebenso wie in der Bronx brachte die ethnische Vielfalt der Einwohner*innen im Viertel auch eine sehr lebendige und vielfältige Kultur im öffentlichen Leben mit sich. Zu ihr gehört auch der Hip-Hop, der – beginnend in den frühen 1980er Jahren – von dort aus die Welt eroberte.

Für den amerikanischen Fotografen Jamel Shabazz ist Brooklyn ein vertrautes Terrain, hier lebt er seit seiner Geburt im Jahr 1960. Er war noch keine 20 Jahre alt, da begann er schon, mit seiner 35-mm-Kamera in der Hand oder um den Hals regelmäßig durch die Straßen zu ziehen, um das alltägliche Leben seiner vor allem afroamerikanisch geprägten Nachbarschaft festzuhalten. Doch seine Streifzüge führten ihn auch in andere Stadtviertel wie die Bronx, Queens oder Manhattan. Seinen ersten Fotoapparat hatte er als Teenager bekommen; damit fertigte er bereits Porträts an – ein Sujet, das ihn fortan begeisterte. Sobald er Menschen oder Szenerien entdeckte, die seinen Blick fesselten, wurde die Straße zur Kulisse und der Bürgersteig zu seinem Studio. Shabazz nahm gern persönlich mit seinen Protagonist*innen Kontakt auf, und wenn jemand zögerte, holte er ein Fotoalbum mit seinen Aufnahmen aus der Tasche und zeigte ihnen, wie er arbeitete.

Seine Fotografien halten den bunten, hektischen Alltag der Stadt fest und fangen die lebensfrohen und manchmal auch innigen Momente inmitten der nicht abreißenden Menschenströme auf den Straßen und in der U-Bahn ein. Sie zeugen von seiner Auseinandersetzung mit der sozialen Situation der Bewohner*innen, insbesondere die der Afroamerikaner*innen, der Latinos und der Jugendlichen. Sich von ihm porträtieren zu lassen wurde zu einem Akt der Selbstbestimmung und Selbstinszenierung: Fast alle Protagonist*innen blicken direkt in die Kamera und präsentieren sich stolz und selbstbewusst. Shabazz‘ Bilder lassen sie zu Akteur*innen werden, die gesehen werden und sich so präsentieren können, wie sie gesehen werden möchten. Sie brechen mit den zu der Zeit gängigen Stereotypen einer verarmten und bisweilen gewalttätigen Bevölkerungsgruppe und stellen stattdessen die farbenfrohe und dynamische Lebensart und Gemeinschaft der Afroamerikaner*innen in den Vordergrund. Seine Bilder sind Zeitzeugnisse, aber auch ein Mittel der Selbstermächtigung.

Jamel Shabazz ließ seine Aufnahmen meist in einem Fotogeschäft in Chinatown entwickeln; er fertigte von jedem Abzug zwei Kopien an: eine für sich und eine für die Person, die er ablichtete. Diese persönliche Verbindung und Vertrautheit mit den Porträtierten sind in jedem seiner Bilder spürbar. Sie verleiht diesen eine besondere Aura, die den Betrachter*innen das Gefühl gibt, sie wären den Menschen selbst begegnet.

Biografische Daten

1960

geboren in Brooklyn, New York, USA

1985 bis 1987

studiert am John Jay College of Criminal Justice, New York

lebt in New York, USA