Nikos Economopoulos

Fotografische Begegnungen

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründete eine Handvoll Fotografen – darunter Henri Cartier-Bresson und Robert Capa – die Agentur Magnum Photos. Was als kleiner feiner Kreis bedeutender Fotojournalisten begann, entwickelte sich schnell zu einer der  wichtigsten Organisationen für Reportagefotografie. Diesen Stellenwert hat Magnum bis heute. Zu den wichtigsten Maximen der Begründer zählten die Unabhängigkeit von Auftraggebern, das Recht am eigenen Bild und ein von Humanismus geprägter fotografischer Blick auf die Welt und deren Geschehnisse.

Diesem Credo folgt auch das Werk des griechischen Fotografen Nikos Economopoulos, der seit 1990 Mitglied bei Magnum ist. Nicht zuletzt war es die Entdeckung eines Bildbandes von Henri Cartier-Bresson, die seine Begeisterung für das Medium auslöste. Doch er brauchte seine Zeit, bis er begann, diese Leidenschaft auch zu seinem Beruf zu machen. Zunächst verdiente er seinen Lebensunterhalt als Journalist, denn in seiner Heimat Griechenland beschränkte sich die Nachfrage nach Bildern auf Fotografien, die den aktuellen Tagesjournalismus begleiteten. Doch Economopoulos wollte anders arbeiten. Während ausgiebiger Reisen fotografierte er auf dem Balkan und in Südeuropa. Die Freude an der Begegnung mit den dort lebenden Menschen und seine Offenheit für deren Kultur spiegeln sich in seinem Werk. Nikos Economopoulos’ Neugierde erschöpfte sich auch im kleinsten Dörfchen weit draußen auf dem Land nicht. Ein kleines Mädchen, das in der Tür eines Wohnwagens steht und sein weißes Kleid glücklich ausbreitet, oder zwei Jungen, die auf einer Landstraße ihre Fußbälle präsentieren, sind keine spektakulären Motive – doch durch Economopoulos’ Blick werden sie zu kleinen Helden. Er rückt sie ins Zentrum seiner Bilder, ohne ihnen zu nahe zu treten. Sein Gespür für Komposition und Raum lassen sie auch in diesen unwirtlichen und scheinbar unendlich weiten Landschaften nicht fehl am Platze wirken. Seine Bilder sind kraftvoll und voller Wärme, doch niemals lieblich. Die Armut der Menschen in den ländlichen Gebieten, in denen er überwiegend fotografierte, bleibt sichtbar.

In den Werken von Nikos Economopoulos entdecken wir Gegenden, die gar nicht so weit von Westeuropa entfernt liegen, und in denen dennoch die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Auch ihm waren viele Gebiete, in denen er arbeitete, zunächst fremd, und doch fühlt er sich ihnen verbunden. „Ich verbringe meine Zeit lieber in dieser Ecke der Welt: Südeuropa und Naher Osten, wo ich die Signale  verstehe und aufgreifen kann.“

Biografische Daten

1953

geboren auf der Halbinsel Peloponnes, Griechenland

1973-1978

Jurastudium in Italien

1978 -1988

Tätigkeit als Journalist für Zeitungen und Zeitschriften in Athen, Ausübung der Fotografie als Amateur

1988

Aufgabe des Journalismus, um sich ganz der Fotografie zu widmen; während der folgenden zwei Jahre Reisen für fotografische Zwecke durch Griechenland und die Türkei

1990

Eintritt in die Fotoagentur Magnum Photos, Beginn der Fotoaufnahmen auf dem restlichen Balkan

1992

Erhalt des Mother Jones Award für Dokumentarische Fotografie für seine Arbeiten auf dem Balkan

lebt und arbeitet in Athen, Griechenland.