Peter van Agtmael

Deutschlandreise

Nach der Eröffnung seiner Ausstellung „Small World“ 1995 in Paris soll dem britischen Fotografen Martin Parr niemand Geringeres als Henri Cartier Bresson, Mitbegründer von Magnum Photos, ein Fax geschickt haben – der Text: „Sie stammen von einem anderen Planeten.“ Gemünzt war der Satz auf Parrs satirischen Umgang mit den populären Orten der Tourismusindustrie und deren Protagonisten. Im Stil einer persönlich geprägten Fotodokumentation verwies Parr, der erst kurz zuvor bei Magnum aufgenommen worden war, mit seiner Reportage über die eigentliche Story, das eigentliche Thema hinaus und war damit zugleich einer der Pioniere des Wandels in puncto Ausrichtung und Funktion der klassischen Fotoagenturen.

Eine solche „erweiterte“ Fotodokumentation haben auch die vier Fotojournalisten Olivia Arthur, Moises Saman, Peter van Agtmael und Paolo Pellegrin erstellt. Die vier Vertreter einer jungen Generation von Magnum-Fotografen hatten die Aufgabe, Deutschland und dessen Bevölkerung im Jahr der Bundestagswahl 2013 mit dem unverbrauchten, neugierigen Blick der Fremden zu begegnen. Aus dem gemeinsam mit Magnum Photos initiierten Projekt der Art Collection ist ein 400 Fotografien umfassendes Konvolut hervorgegangen. Es entstanden Bilder von einem Deutschland, das sich so dargestellt kaum zur Bebilderung einer touristischen Werbebroschüre eignen würde. Im Nebeneinander der unterschiedlichen Sicht- und Arbeitsweisen findet sich in der „Deutschlandreise“ ein Deutschland, das manchem seiner Bewohner wenig vertraut und nahe erscheinen mag, auch dort, wo auf den Umgang mit der eigenen Geschichte verwiesen wird. In etlichen Aufnahmen allerdings erkennt man es doch wieder. Fotografien aus unserem Land und zugleich „wie von einem anderen Planeten“.

Peter van Agtmael besuchte neben Stuttgart, Würzburg und Frankfurt am Main auch Dachau und die dortige KZ-Gedenkstätte. So stehen seinen Bildern vom Börsenparkett, flanierenden Passanten in Fußgängerzonen und Parks immer wieder die dunklen Seiten des Landes und seiner Geschichte gegenüber.

Biografische Daten

1981

geboren in Washington, D.C., aufgewachsen in Bethesda, Maryland, US

2003

Abschluss des Geschichtsstudiums an der Yale University, New Haven, Connecticut

2004

Beginnt als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten, ab 2006 mit Fokus auf den Krieg gegen den Terror

2008

Erhält den World Press Photo Awards

2009

Veröffentlicht sein erstes Fotobuch 2nd Tour Hope I Don't Die

2012

Wird mit dem W. Eugene Smith Memorial Fund, New York geehrt, um sein zweites Fotobuch Disco Night Sept. 11. zu beenden

2013

Wird Mitglied bei Magnum Photos

2014

Gruppenausstellung “Deutschlandreise”, zusammen mit Paolo Pellegrin, Olivia Arthur und Moises Saman, Deutsche Börse, Eschborn

lebt und arbeitet in Brooklyn, New York, USA