Regine Petersen

Bildersammlerin

Die Astronomie hat uns gelehrt, dass der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel mit oder ohne optisches Gerät ein Blick in die Vergangenheit ist. Denn ganz entgegen unserer Wahrnehmung existieren viele der von der Erde aus sichtbaren Sterne gar nicht mehr. Aufgrund der kosmischen Dimensionen dauert es Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrtausende, bis uns das Licht weit entfernter Sterne erreicht.

Wie der Sternenhimmel, der die Konstellationen vergangener Zeiten kartografiert, so ist auch eine Fotografie eine Art Zeitkapsel für oft längst Vergangenes. Regine Petersens in mehrere Kapitel unterteilte Serie rund um verschiedene Meteoritensichtungen ist damit eine ideale Verschränkung von wissenschaftlicher Neugier und Strategien zeitgenössischer Kunst: Fasziniert von der Tatsache, dass kleinere und größere Asteroiden immer wieder auf die Erde fallen, sammelt und archiviert sie seit Jahren akribisch Zeitungsmeldungen, Tatsachenberichte und wissenschaftliche Artikel zu diesem Thema. Sie hat Reisen zu bekannten Absturzstellen unternommen, Experten, Augenzeugen und Anwohner befragt, Zeitungsarchive und Bildstellen durchforstet. Auf dieser abenteuerlichen Spurensuche sind besonders eindringliche Porträts entstanden, die vor allem vom Umgang der Menschen mit diesen steinernen Zeugen aus der Frühzeit des Sonnensystems erzählen und weniger von den Meteoriten selbst.

Ihre Motive findet Petersen nicht nur an weit entfernten Orten, sondern auch zu Hause in Hamburg und in anderen Regionen Deutschlands. In der fotografischen Serie offenbaren unterschiedliche Weltgegenden oft auf sonderbare Weise ihre Gemeinsamkeiten. In ihren Bildern rücken Orte und Geschöpfe einander näher und grenzen sich durch kleine skurrile Geheimnisse wieder voneinander ab. Wie Fragmente einer zusammenhängenden Erzählung offenbaren sich diese in Petersens Fotografien. Sie findet die Motive auf ihren Fotoexkursionen oft spontan und wie nebenbei. Im Augenblick des glücklichen Zufalls stellen sich dabei originelle, teilweise surreale Momente ein: Mensch und Tier setzt sie oft gleichberechtigt und mit nur wenig Umgebungsraum in Szene; sie werden im Farbfoto zu nachdenklichen, würdevollen Protagonisten. In der spürbaren Ruhe, die ihren Aufnahmen anhaftet, steckt ein überzeugtes Festhalten an der technisch behäbigeren analogen Fototechnik: Hier ist – anders als bei digitalen Fotokameras – das Ergebnis erst nach der vollständigen Entwicklung des Films sichtbar. Diese selbst gewählte „Langsamkeit“ im Umgang mit Material und Vorgehensweise ist ihren Bildern anzumerken. Ruhig und unaufgeregt wirken die eingefangenen Szenen, die irgendwie ihre eigene Zeitlichkeit besitzen – ein wenig wie das Licht der Sterne, das sich um die Aktualität seiner Information im Kosmos ja auch nicht kümmert.

Biografische Daten

1976

Geboren in Hamburg

2006

Diplom in Kommunikationsdesgin und Fotografie an der HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

2007

Otto Steinert Preis (mit Auszeichnung) der DGPh (Deutsche Gesellschaft für Photographie, Köln)

2008

Publiziert ihr erstes Fotobuch Ok, But No Fighting

2009

Masterabschluss in Fotografie am Royal College of Art, London

2011

Künstlerin in Residenz am B2 Institute / Lunar & Planetary Lab, University of Arizona, Tuscon

2012

Stipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, Essen

2015

Einzelausstellung “Find a Fallen Star” im Foam Museum, Amsterdam

lebt und arbeitet in Hamburg