Roland Wirtz

Eindrucksvolle Objekte

„Photographie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Lichtbild“. Mit Hilfe eines Objektivs in einer Kamera prägen sich die Gegenstände der sichtbaren Welt lichtempfindlichem Material ein. Auf dem Negativ wird dieses – meist verkleinerte – Abbild in Helligkeitsstufen sichtbar gemacht, auf dem Positiv – meist vergrößert – fixiert. Viele Künstler loten die Fotografie bis an ihre Grenzen aus, sie bearbeiten die Aufnahmen digital nach oder stellen die Bilder sogar fast vollständig am Computer her. Roland Wirtz hat einen ganz anderen fotografischen Weg eingeschlagen: Er begibt sich zu den Ursprüngen des Mediums zurück und wendet dasselbe Verfahren an wie Henry Fox Talbot, der Erfinder der Negativtechnik, im Jahr 1839.

Bei Roland Wirtz’ früheren Arbeiten stand das Abbild ganz im Vordergrund. Mehr und mehr löste sich dann seine Fotografie von den konkreten Bildinhalten. Die Motive – Landschaften und Architektur – sind jetzt Schauplätze für fotografische Schaffensprozesse. Die Bilder sind abstrakt, Form und Fläche gewinnen an Bedeutung. Entsprechend wachsen die Formate – bis hin zum aktuellen Negativformat 100x100 cm. Wirtz konstruierte eigens eine Kamera, in der er das mit Silbernitrat und Kaliumjodid lichtempfindlich gemachte Papier bis zu zwei Stunden belichtet. Entsprechend lang dauert die Belichtung des mit Bienenwachs präparierten Positivs.

In dieser fast vergessenen Technik der Kalotypie entdeckt Roland Wirtz erstaunliche künstlerische Möglichkeiten. Die manuell angefertigten, ein Quadratmeter großen Kontaktprints zeigen nicht nur ästhetisch reizvolle Spuren des fotografischen Verfahrens, sie geben den unmittelbaren, unverfälschten Eindruck der Objekte wider; und sind darum Zeugnisse höchster Authentizität.

Biografische Daten

1959

geboren in Köln

lebt und arbeitet in Berlin