Seydou Keïta

Kunst ist Schönheit

Seydou Keïta arbeitete von 1948 bis 1962 als selbstständiger Fotograf im malischen Bamako. Sein Studio gehörte zusammen mit dem des etwas jüngeren Malick Sidibé zu den populärsten der Stadt. Samstags hätten die Leute sogar Schlange gestanden, erzählt Keïta. Etwa 30.000 Porträts fertigte er in seinem Leben an.

In den fünfziger Jahren war Fotografieren in Afrika noch ein großes Ereignis. Ein Bild von sich machen zu lassen, war etwas Neues, Aufregendes für die Leute. Manche glaubten, es sei mit großen Gefahren verbunden, die Seele könne einem genommen werden, man könne davon sterben. Andere glaubten, der Fotograf benutze seine Kamera, um die Menschen davor nackt zu sehen. Keïta ließ seine Kunden selbst durch den Sucher schauen, danach waren sie beruhigt.

Keïtas Kunden mochten die Fotos wegen ihrer Schärfe und der Präzision des Abbildes, weil das Licht hübsch war und weil sie sich in ihren Posen gefielen. Jeder wollte sich auf den Fotos so vorteilhaft wie möglich präsentieren. Keïta sah seine Aufgabe darin, die beste Pose, das günstigste Profil zu finden. Seine Kunden sollten schön aussehen. Kunst sei Schönheit.

In den fünfziger Jahren begann der westliche Einfluss, die afrikanische Tradition allmählich zu verdrängen. Die Männer fanden Gefallen an westlicher Kleidung und modernen Accessoires wie Armbanduhren, Kugelschreibern, Telefonen, Motorrädern, mit denen sie sich fotografieren ließen. Die Frauen hingegen waren noch traditioneller orientiert, sie trugen bunt gemusterte Kleider und weite Wickeltücher. Sie legten Wert auf Schmuck wie Ohrringe und Armreife, aber auch ihre Hände mit den feingliedrigen Fingern mussten gut sichtbar sein. Das alles waren Zeichen für Wohlstand und Eleganz.

Keïta wählte auch den passenden Hintergrund aus. Zuerst benutzte er eine Tagesdecke mit Fransen, dann einen Hintergrund mit Arabesken, noch später ein graues Stück Stoff. Manchmal habe der Hintergrund sehr gut zur Kleidung gepasst, aber das sei purer Zufall gewesen.

Mit 14 Jahren hatte Seydou Keïta eine Kamera von seinem Onkel geschenkt bekommen und beschlossen, fortan als Fotograf zu arbeiten. Das Fotografieren brachte er sich selbst bei, eine Hochschule hat er nicht besucht, ausländische Fotografen lernte er nie kennen, und er hat auch keine Bilder von ihnen gesehen.

Biografische Daten

1923

geboren in Bamako, Mali

1948

Eröffnung seines Fotostudios in Bamako

1994

erste internationale Einzelausstellung in der Fondation Cartier pour l'art contemporain Paris

2001

verstorben in Frankreich