Stefan Exler

Geträumte Räume

Eine Faszination der Fotografie liegt in ihrem Naturalismus. Gegenüber den Produkten der Malerei gilt die fotografische Wiedergabe von Wirklichkeit als schlechthin objektiv. Ein Bewusstsein von der Subjektivität des Mediums entwickelt nur, wer weiß, wie man ein Foto durch Beleuchtung, Perspektive, Ausschnitt oder Brennweite beeinflussen kann. Fotografen, die das Medium künstlerisch nutzen, gehen gelegentlich noch einen Schritt weiter: Sie verfremden ihre Aufnahmen, irritieren absichtsvoll die Sehgewohnheiten des Betrachters, verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. In der anhaltenden Debatte um die Authentizität der Fotografie hat Stefan Exler entschieden Partei ergriffen: Im Kleid des Dokumentarischen treibt er den Subjektivismus auf die Spitze.

In beinahe zentralperspektivischer Aufsicht schaut Stefan Exler mit sachlichem Blick auf Wohn- und Kellerräume. Aus der Fülle der sichtbaren Details beziehen sie ihre Glaubwürdigkeit: die Studentenbude mit der juristischen Fachliteratur, das Grafikeratelier mit den Zeichnungen oder etwa der mit rostigen Gartengeräten gefüllte Keller. Die Räume, in denen die Fotos entstanden, waren so nicht vorhanden. Auch die Gegenstände wurden vom Künstler akribisch ausgewählt, beschafft und arrangiert.

Wen wundert’s, dass Stefan Exler bekennt, er habe ein „polemisches Verhältnis“ zur Fotografie: Von der Recherche über das Besorgen der Gegenstände bis zum Installieren des Raumes vergehen oft mehrere Monate, während der er über die Gegenstände reflektiert. Wenn Exler schließlich auf den Auslöser drückt, ist das Wichtigste für ihn bereits geleistet: die Erfindung des Realen bei absoluter Kontrolle des Fotografen über sein Bild.

Biografische Daten

1968

geboren in Gießen

1988-94

Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg

lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin