Stephen Shore

Entdeckungsreise

Aufgewachsen ist Stephen Shore in New York; bis er dreiundzwanzig Jahre alt war, spielte sich sein Leben überwiegend in Manhatten ab. Die Ostküste mit ihren europäischen Wurzeln bestimmte in dieser Zeit sein Amerikabild. 1972 fuhr er zum ersten Mal mit einem Freund in den Südwesten, nach Amarillo, Texas. Das war der Beginn einer persönlichen Entdeckungsreise – durch die Vereinigten Staaten und die Möglichkeiten der Fotografie.

Stephen Shore erkundete die USA beim Blick durch die Kamera; er richtete sie auf das Land und die Vielfalt seiner Erscheinungen: anonyme Vorstadtarchitekturen, Einkaufszentren, Parkplätze, Landschaften und immer wieder Straßenkreuzungen.

Die Aufnahmen dokumentieren die Lebenswelt der amerikanischen Kleinstädte, die ihm ursprünglich fremd war. Eigentlich völlig alltägliche Orte, die nicht mehr scheinen wollen, als sie sind, und dennoch – durch das Kameraauge Stephen Shores betrachtet – eine unerwartete Magie entfalten. Zwar erkennt man stets, dass die Bilder minutiös komponiert sind, aber mit seinem subjektiven Kunstwillen tut Shore den Dingen keinen Zwang an. Er begegnet der sichtbaren Welt mit einem Respekt, der auf der Maxime gründet, dass dem Alltäglichen das Außergewöhnliche schon eingeschrieben ist. Man muss es nur entdecken.

Stephen Shore gab seinen Arbeiten den Titel „Uncommon Places“. Der 1982 veröffentlichte Sammelband hat in der Geschichte der Fotografie Epoche gemacht: Shores Kunst der Bildkomposition und sein virtuoser Umgang mit Farben, Licht und Schatten haben das Interesse an der Farbfotografie beflügelt und ihren Rang als genuin künstlerisches Medium unangreifbar gemacht.

Biografische Daten

1947

geboren in New York

seit 1982

leitet den Fachbereich Fotografie am Bard College, Annandale-on-Hudson, New York

lebt und arbeitet in New York