Tobias Zielony

Globale Jugendkultur

Ein Marken-Netzwerk umspannt den Globus: Die Kampagnen führender Konsumgüterunternehmen laufen weltweit, international bekannte Stars werden zu Werbeträgern und durch sie werden Marken zu Statussymbolen. Junge Menschen sind für dieses Marketing besonders empfänglich. Eine globale Jugendkultur entsteht, die sich nicht nur in Äußerlichkeiten niederschlägt, sondern auch im Lebensgefühl und in Verhaltensweisen, die besonders in der Peergroup gelebt und zur Schau getragen werden. Werte und Strukturen, wie sie von der Familie, Schule oder Kirche vermittelt werden, verlieren demgegenüber an Bedeutung.

In seinen Fotografien zeigt Tobias Zielony Jugendliche im öffentlichen Raum – dem Raum, über den sie ohne Autoritätspersonen verfügen und an dem sie unter sich sind. Egal, wo er sie fotografiert – ob in Wales, Marseille oder Los Angeles –, überall stößt er auf die gleichen Motive. „Die Orte haben nichts miteinander zu tun und werden doch alle Schauplatz von sehr ähnlichen Ereignissen. Überall hängen die Leute auf der Straße herum.“ Doch jede Szene hat ihre eigene Ausprägung, jeder Ort seine Besonderheiten – Tobias Zielony zeigt ein Stück Lokalkolorit in der Uniformität. Ohne Blitz und Stativ fotografiert, sind die Aufnahmen von der Ästhetik von Musikvideos inspiriert – und damit von der Jugendkultur. Als Schauplatz seiner Bilder dienen Ballungsräume und städtische Randzonen, die nach Einbruch der Dunkelheit von den Jugendlichen vereinnahmt werden: Einkaufpassagen, Parkhäuser, Tankstellen. „Die Jugendlichen erobern sich ihren Ort“, weiß Tobias Zielony, „aber mich interessiert nicht, dass sie sich nachts in einem Parkhaus oder einer Tankstelle treffen, sondern die Art, wie sie herumstehen.“

Die öffentlichen Räume, in denen Tobias Zielony fotografiert, wirken wie abgesperrte Drehorte. Der Treffpunkt wird zur Bühne für die eigene Inszenierung mit nachgeahmten Gesten von Lässigkeit, Überlegenheit oder zur Schau getragenem Desinteresse. „Die Jugendliche inszenieren sich vor meiner Kamera, aber ich fordere das nicht ein. Das Posen ist Teil ihres Alltags.“ Obwohl Tobias Zielony viel Zeit mit den Jugendlichen verbringt, bleibt er ein distanzierter Beobachter. Er wahrt Abstand und gewinnt dennoch das Vertrauen der Jugendlichen. Wenn er mit seiner Kamera die Protagonisten vereinzelt, verlieren sie häufig ihre Souveränität: Ohne den Schutz der Gruppe wirken sie nachdenklich und zerbrechlich. „Ich will keine Sozialreportage machen“, sagt er. Tobias Zielonys Aufnahmen zeigen, aber erklären nicht; sie dokumentieren, aber interpretieren nicht. Seine Bilder erzählen nichts über die Jugendlichen und ihre Umgebung. „Manchmal geht es einfach nur um das Nichts – und dieses Nichts ist spannend.“

Biografische Daten

1973

geboren in Wuppertal

1993-2001

studiert Documentary Photography an der University of Wales, Newport, UK

2001–2005

studiert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, bei Timm Rautert in Leipzig

lebt und arbeitet in Berlin