Werner Bischof

Auf der Suche nach dem Schönen

Wer das fotografische Werk des Schweizers Werner Bischof betrachtet, wird schnell feststellen, dass es in vielerlei Hinsicht erstaunlich ist. In den nur neun Jahren, die ihm von 1945 bis 1954 für seine journalistische Arbeit zur Verfügung standen, hat er ein riesiges Konvolut an hervorragenden Fotografien geschaffen. Um die halbe Welt ist er dafür gereist, in Zeiten, in denen ein Langstreckenflug noch eine Abenteuerreise mit vielen Zwischenstopps war. Die Vielfalt seiner Motive und Themen beeindruckt ebenso wie die künstlerische Qualität. Zwischen all dem Leid und Elend, das er gesehen und fotografiert hat, fand sein Blick immer wieder auch Zeichen der Hoffnung und Schönheit. Beiden Aspekten des Lebens hat er sich bedacht, sensibel und mit untrüglichem Gespür für den richtigen Moment gewidmet. Auch als Journalist blieb er stets Künstler.

Denn eigentlich wollte Werner Bischof gar nicht Fotograf werden, sondern Maler. Ein Zufall brachte ihn zur Arbeit mit der Kamera, denn in der grafischen Klasse der Kunstgewerbeschule in Zürich waren bereits alle Plätze belegt, als er dort seine Ausbildung begann. Unter dem Einfluss seines Lehrers Hans Finsler hat er sich in intensiver Studioarbeit mit Objekten und der Arbeit mit Licht und Schatten beschäftigt. Später gelang es ihm, seine auf diese Weise entwickelten und ausgefeilten kompositorischen Fähigkeiten auf die Arbeit unterwegs zu übertragen, auch wenn dort oft nur wenig Zeit zur Verfügung stand und alles in Bewegung war. Doch reisen konnte Werner Bischof erst, als der Krieg endete und sich die Grenzen wieder öffneten. Dies tat er mit einer Ausgiebigkeit, die ahnen lässt, wie eingesperrt er sich in den Kriegsjahren in der Schweiz gefühlt haben muss.

Es folgten Reisen durch Europa, nach Indien, Japan, Korea, Hongkong und Indochina, in die USA und schließlich nach Südamerika, wo er 1954 im Alter von 38 Jahren bei einem Autounfall in den Anden starb. Meist waren es konkrete Aufträge, die ihn zu bestimmten Orten führten. Sie kamen zum Beispiel von der Fotoagentur Magnum, zu dessen Mitgliedern Werner Bischof seit 1949 zählte, oder aber von den großen Magazinen wie Life, Paris Match oder Picture Post – den damals wichtigsten Auftraggebern für Fotojournalisten. Mit ihren Anforderungen nach sensationellen Berichten von den Krisenherden Asiens sowie der Art und Weise, wie seine Bilder dafür eingesetzt wurden, fühlte sich Werner Bischof zunehmend unwohl. Doch er musste seine junge Familie ernähren und die vielen damals sehr kostspieligen Reisen bezahlen. Deshalb lieferte er, was die Redaktionen sehen wollten, nahm zwischendurch aber immer wieder Auszeiten, in denen er so arbeitete, wie es ihm am Herzen lag: Mit Zeit und Geduld richtete er seinen menschenfreundlichen Blick auf die Zivilbevölkerung und brachte seine Solidarität für ihre Nöte zum Ausdruck. Immer zollt er dabei seinem Objekt höchsten Respekt. Ethik und Ästhetik verschmelzen in Werner Bischofs Bildern in einem nicht nur für seine Zeit außerordentlichem Maße.

Biografische Daten

1916

geboren in Zürich, Schweiz

1932 – 1936

studiert an der Kunstgewerbeschule in Zürich, Schweiz

1949

tritt als einer der ersten Fotografen der Agentur Magnum bei

1954

stirbt während einer Expedition bei einem Autounfall in Trujillo, Peru